Kinzigtalsperre (Stausee Kleine Kinzig)

Strecke: 12,9 km
Dauer: 3,5 Stunden
Aufstieg: 270 hm
Abstieg: 260 hm
Niedrigster Punkt: 520 ü. d. M.
Höchster Punkt: 670 ü. d. M.
Bewertung
Kondition
Technik
Erlebnis
Landschaft

Woher kommt dein Leitungswasser? Wie wird es aufbereitet?

Wir wohnen ja im Schwarzwald und wollten das wissen. Dafür haben wir uns den Stausee Kleine Kinzig genauer angeschaut. Verbunden haben wir das natürlich mit einer schönen Wanderung an der Kinzigtalsperre.

In diesem Beitrag lernst du einiges über Trinkwasseraufbereitung, die „Hofbauernriese“ und was das ganze mit Atomkraft zu tun hat.

Die Talsperre links, davor der Überlauf und im Hintergrund der Turm für die Trinkwasserentnahme
Die Talsperre links, davor der Überlauf und im Hintergrund der Turm für die Trinkwasserentnahme

Rundweg am Stausee kleine Kinzig

Gleich vorweg: Die Talsperre Kleine Kinzig darf nicht mit der Kinzigtalsperre bei Steinau in Hessen verwechselt werden.

Der Stausee kann auf 8 Kilometern gut befestigten Wegen komplett umrundet werden. Deshalb ist die Tour besonders für Eltern mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer interessant. Wir waren hier auch mit unserer Nichte im Kinderwagen unterwegs. 🙂 In regelmäßigen Abständen wurden sogar Sitzbänke zum Ausruhen aufgestellt.

Hin und wieder kannst du einen Blick auf den See werfen. Auf dem informativen „Schwarzwänder Wasserpfad“ kann man auf 34 Infotafeln einiges über das Themengebiet Wasser und seine wichtige Rolle für die Natur lernen.

Am Parkplatz geht es los, auf dem Wasserpfad, immer der kleinen Kinzig entlang. Wir hatten geplant in der Sonne zu wandern. Es war schon relativ kühl war und wir waren mit Anjas Schwester, deren Mann und der kleinen Nichte im Kinderwagen unterwegs.

Wir kamen aber erst gegen Nachmittag los. Irgendwie waren wir deshalb immer im Schatten der Bäume. Und bis wir oben am See waren, ging die Sonne schon hinter dem Berg unter… 🙁 Learning: Geh dieser Tour besser am Vormittag oder über Mittag!

Wusstest du schon?

Wir waren im Herbst unterwegs und konnten im Wald extrem viele Pilze finden. Vor allem Trompetenpfifferlinge, aber auch Semmelpilze und Tintlinge landeten nach der Tour in unserer Pfanne… lecker, lecker… 😉

Wenn du das Wasserwerk schon sehen kannst, gibt es rechts eine Möglichkeit Trinkwasser aufzufüllen. Wir füllten natürlich gleich unseren Trinkbeutel mit dem frischen Wasser.

Das Wasserwerk mit der Kleinen Kinzig im Vordergrund
Das Wasserwerk mit der Kleinen Kinzig im Vordergrund

Danach geht es am Wasserwerk vorbei und in einer scharfen Rechtskurve den Berg hoch. Bleibe dabei immer auf dem großen Waldweg. Bei der nächsten Kreuzung geht es in einer scharfen Linkskurve bis zum Staudamm.

Am See angekommen, kannst du es dir auf der Sitzbank erst einmal bequem machen. Anjas Schwester hatte leckere Pomelo dabei – schon geschält… 😉 Die ließen wir uns dort schmecken. Leider verließ uns die Sonne hier ziemlich schnell und uns wurde kalt. Deshalb ging es weiter…

Danach verlässt du erst einmal den „Wasserpfad“ und gehst geradeaus auf der rechten Seite des Stausees weiter. Auf den nächsten 8 Kilometern wirst du ihn komplett umrunden.

Wenn du beide See-Arme umrundet hast, geht es über den Burgstallweg wieder zurück zum Ausgangspunkt. Diese Strecke bildet gleichzeitig auch den zweiten Teil des Wasserpfades.

Achtung!

Die Talsperre und deren Umgebung sind Trinkwasserschutzgebiet. Das bedeutet, dass die Wege für den öffentlichen Verkehr gesperrt sind. Auf und am See sind sämtliche Freizeitaktivitäten – außer Wandern 😉 – verboten. Dazu zählen unter anderem:

  • Baden
  • Angeln
  • Boote
  • Schlittschuhlaufen

Du suchst eine Wanderung mit Badesee? Dann empfehlen wir dir die Tour am Sankenbachsee und Sankenbachwasserfall.

Wer Interesse hat, kann das Wasserwerk besichtigen. Informationen dazu findest du bei der Wasserversorgung Kleine Kinzig.

Der Stausee kleine Kinzig

Der Stausee hat einen Hauptteil, einen kleinen und einen großen Arm. Er ist etwa 3 km lang, maximal 450 m breit und kann eine maximale Tiefe von 60 m erreichen. Ein 15 m hoher Damm aus Hangschuttmaterial (bituminöse Kerndichtung) bildet die Talsperre.

Mit dem Bau der „Kleine-Kinzig-Talsperre“ wurde 1978 begonnen. 1982 war das Projekt fertiggestellt und wurde 1984/1985 in Betrieb genommen. Sie liegt auf etwa 600 Hm in Reinerzau, Gemeinde Alpirsbach, bei Freudenstadt (Baden-Württemberg).

Gestaut wird die Kleine Kinzig, das Huttenbächle, das Teufelsbächle und noch mehrere kleine und größere Quellen mit einem Einzugsgebiet von ungefähr 18 Quadratkilometern. So können sich hier im Jahr bis zu 20 Millionen Kubikmeter Wasser sammeln. Die Talsperre hat verschiedene Aufgaben:

  • Trinkwasserversorgung
  • Hochwasserschutz
  • Niedrigwasseraufhöhung
  • Stromerzeugung aus Wasserkraft

Die Talsperre liefert jährlich zwischen 3 und 8 Millionen m³ Trinkwasser. Die installierte Leistung des Wasserkraftwerkes beträgt 580 kW. Um den Damm vor einer Überbelastung zu schützen, wurde eine Hochwasserentlastung eingebaut. Diese ist für Besucher gut zu sehen: Es ist der Turm mit einem runden Ablauf. Unterirdisch ist ein Stollen an den Überlauf angeschlossen, über den das Wasser abgeleitet werden kann.

Über den Entnahmeturm vor der Staumauer wird das Trinkwasser abgezweigt. Im Turm gibt es 8 Entnahmestellen auf unterschiedlichen Tiefen. So kann zur Entnahme jeweils die beste Rohwasserqualität gewählt werden.

Anfahrt zum Stausee

Du kannst mit dem Auto oder mit dem Bus anreisen. Eine Bushaltestelle gibt es in Reinerzau „oberes Dörfle“. Dort halten die Buslinien 14 (Samstag, Sonntag, Feiertag) und 19 (Montag – Freitag). Von dort führt dich die Berneckstraße direkt hoch zum Parkplatz. Es gibt allerdings nicht sonderlich viele Verbindungen. Schau dir deshalb besser schon vorher den Fahrplan an.

Wer mit dem Auto kommt, ist gleich am Startpunkt am Waldrand. Die Adresse des Parkplatzes lautet: Wanderparkplatz Wasserpfad, 72275 Reinerzau „Oberes Dörfle“. Dort ist genug Platz für viele Autos.

Die Hofbauernriese an der Kinzigtalsperre

Ein Schlitten für den Holztransport auf der Riese.
Ein Schlitten für den Holztransport auf der Riese.

Direkt am Parkplatz kannst du einen überdimensionierten Holzschlitten bestaunen. Eine der vielen Informationstafeln erklärte uns, dass es sich um einen Schlitten für den Holztransport handelt.

Im Wald konnten wir auf dem Rückweg die „Holzriese“ sehen. Dabei handelt es sich um eine Rinne – wie eine Rutschbahn für Holz. So konnte das Holz mithilfe der Schwerkraft ins Tal befördert werden. Riesen waren früher sogar eine wichtige Transportmöglichkeit für große Holzmengen.

Im Graben ist die Holzriese gut zu sehen.
Im Graben ist die Holzriese gut zu sehen.

Kernkraftkühlung mit dem Stausee?

Tatsächlich gab es einmal große politische Ideen in Verbindung mit dem Stausee Kleine Kinzig. Es hing an einer einzigen Stimme, und die Trinkwassersperre wäre zweckentfremdet geworden, um das Atomkraftwerk Neckarwestheim zu kühlen!

Auslöser für diese Idee waren Probleme bei der Genehmigung des zweiten Blocks des Kernkraftwerks Neckarwestheim. Das lag an dem Niedrigwasser in diesem Sommer. Deshalb gab es nämlich nicht genug Kühlwasser.

1987, also kurz nach dem Erbau der Talsperre sollte das Wasser unterirdisch durch einen neun Kilometer langen Tunnel in den Neckar geleitet werden. So würde das Wasser über die Glatt in den Neckar gelangen und zur Kühlung des 135 Kilometer entfernten Kernkraftwerks genutzt werden. Zusätzlich sollten auch noch Steinkohle-Kraftwerke in Altbach, Heilbronn, Stuttgart und ein Müllverbrennungsbetrieb bei Stuttgart-Münster davon profitieren.

Allerdings waren nicht alle begeistert von der Idee. Vor allem Bürger in Reinerzau und Alpirsbach wollten „ihr Wasser“ nicht dafür hergeben. Jahrelang hatten sie den Lärm und Dreck ertragen, der durch den Bau der Talsperre entstand.

Wusstest du schon?

Der 4 km entfernte „Silbersee“ in dem man auch baden kann, entstand während des Baus der Talsperre. Dort wurde nämlich Material für die Staumauer aus dem Steinbruch geholt.

Aus diesem Grund wurden in Stuttgart Demonstrationen durchgeführt, die überraschend viel Unterstützung bekamen. So kam es, dass nach einer knappen Abstimmung doch entschieden wurde, die Talsperre als Trinkwasserreservoir zu nutzen.

Der zweite Block des Kernkraftwerkes Neckarwestheim wurde übrigens 2011 stillgelegt und Block 1 soll bis 2022 ebenfalls seinen Betrieb aufgeben.

Dank engagierter Bürger fließt heute frisches Trinkwasser an der Talsperre der kleinen Kinzig
Dank engagierter Bürger fließt heute frisches Trinkwasser an der Talsperre der kleinen Kinzig

Fazit

Die Talsperre Kleine Kinzig hat eine bewegte Geschichte. Heute kannst du den ganzen See auf gut ausgebauten Wegen komplett umrunden. Auf dem Staudamm hast du einen wunderbaren Blick auf den See und den dichten Nadelwald der ihn umgibt.

Wenn du dich für die Trinkwasseraufbereitung interessierst, kannst du den Wasserpfad gehen oder sogar eine Besichtigung des Wasserwerkes anfragen.

Du suchst eine Wanderung mit Badesee? Dann empfehlen wir dir die Tour am Sankenbachsee und Sankenbachwasserfall.

Du hast Fragen oder möchtest etwas zur Tour ergänzen? Dann schreib uns doch einfach einen Kommentar!

Samuel und Anja: Autoren von Berginstinct

Hi! Wir sind Anja & Samuel, die Outdoor-Fans hinter BERGINSTINCT. Wir lieben Berg- und Hüttentouren, internationale Reisen, sinnvolle Ausrüstung und alles, was mit der Natur zu tun hat. Mehr erfahren…

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