Ellbachsee (Heimatpfad Kniebis)

Strecke: 8;6 km
Dauer: 2,5 Stunden
Aufstieg: 230 hm
Abstieg: 230 hm
Niedrigster Punkt: 800 ü. d. M.
Höchster Punkt: 850 ü. d. M.
Bewertung
Kondition
Technik
Erlebnis
Landschaft

Das Wetter ist nicht so, wie du dir es für deine Wanderung gewünscht hast? Nicht so schlimm!

Wir haben die Wanderung zum Ellbachsee auf dem Heimatpfad Kniebis bei Nieselregen gemacht. Das Wetter hat dem geheimnisvoll wirkenden See sogar noch mehr Flair gegeben.

In diesem Beitrag findest du alles, was du für deine Wanderung zum See wissen musst. Zusätzlich zeigen wir dir einige interessante Details zu den Karseen im Schwarzwald.

Wanderung zum Ellbachsee

Als wir am Parkplatz direkt an der Straßburger Straße ankamen, begann es natürlich direkt zu regnen. Naja, Bewegung tut immer gut, dachten wir uns… Also spazierten wir erst einmal durch die Ortschaft Kniebis. Zuerst durch die Alte Poststraße, dann über den Kohlwaldweg.

Nach den letzten Häusern auf der linken Straßenseite geht es links ab in einen Waldweg, der zum Löschteich der Feuerwehr führt. Wer Lust hat, kann hier auch statt dem breiten Weg das Feuerwehrwegle gehen.

Sobald du den Löschteich erreicht hast, geht es steil den Berg hinauf.

Tipp!

Als wir diese Tour einmal bei Schnee gehen wollten, war dieser Teil gesperrt. Die steile Straße, die dich nach dem Löschteich hinauf zum Heimatpfad führt, ist im Winter nämlich eine Rodelbahn. Wenn nicht genug Schnee gefallen ist, wird die Strecke sogar beschneit.

Sobald du auf dem Heimatpfad Kniebis angekommen bist, kannst du einfach der Beschilderung folgen.

Rechts von Weg befindet sich nach der großen Kreuzung ein Schau-Kohlenmeiler. Hier kannst du dir anschauen, wie früher hier im Schwarzwald Holzkohle hergestellt wurde.

Wusstest du schon?

Die Köhlerei hat im Schwarzwald eine lange Tradition. In einem Kohlenmeiler, wie du ihn dort auf dem Kniebis sehen kannst, wurde bei geringer Luftzufuhr das Holz verschwelt. So wurde der Brennwert erhöht. Außerdem wurde es leichter und konnte einfacher transportiert werden.

Holzkohle wurde immer wichtiger, je mehr Industrialisierung es gab. Besonders begehrt in der Köhlerei war die Buche, weil sie besonders energiereich ist. Das ist mit ein Grund, warum es heute im Schwarzwald so wenig Buchen gibt.

Anja am Schau-Kohlenmeiler
Anja am Schau-Kohlenmeiler

Tipp!

Hier oben auf dem Kniebis ist immer relativ viel los. Im Sommer tummeln sich hier die Wanderer und die Inline- oder Rollskifahrer. Sobald es beginnt zu schneien, ist hier alles voll mit Langläufern. Dafür sind auch die geteerten Straßen, die kreuz und quer durch den Wald führen. Das Streckennetz ist sogar beleuchtet und wird im Winter beschneit. Übrigens haben die Langläufer wie auch die Rollskifahrer immer Vorfahrt – also schön aufpassen beim Überqueren der Fahrstrecken.

An der nächsten Kreuzung biegst du rechts ab, um zum Highlight der Tour, dem Ellbachseeblick zu gelangen. Die 2013 gebaute Aussichtsplattform befindet sich auf 921 Hm. Von dort aus hast du einen unglaublich guten Blick hinunter zum Ellbachsee und nach Baiersbronn-Mitteltal.

An dem Regentag hatten wir zwar keinen Weitblick, allerdings versprühte der See durch die Wolken einen besonders geheimnisvollen Charme.

Die Aussichtsplattform am Ellbachseeblick
Die Aussichtsplattform am Ellbachseeblick

Auf der Aussichtsplattform gibt es auch eine Bank, auf der man sein mitgebrachtes Vesper essen kann. Allerdings tummeln sich hier natürlich immer besonders viele Touristen.

Da wir ja beim Wandern eher menschenscheu sind, ging es für uns gleich weiter. Den kurzen Stich, den wir vorher nach rechts gegangen waren, gingen wir zurück auf den Heimatpfad. Von dort führt ein steiler Wurzelpfad die Karwand hinunter zum Ellbachsee.

Achtung!

Der Wurzelweg ist bei Nässe sehr rutschig. Achte gut darauf wohin du trittst!

Bevor wir am See ankamen passierten wir die Ellbachseehütte. Sie ist relativ groß und man kann sich darin aufhalten und beispielsweise vespern. Wir fanden es darin allerdings ziemlich dunkel und nicht so einladend. Man darf dort übrigens nicht übernachten.

Viel schöner sind die Bänke direkt am See mit einem großen Naturstein-Tisch. Dort ließen wir uns die mitgebrachte Pomelo schmecken und genossen die absolute Stille mit Blick auf den See.

Der Ellbachsee ist zu einem großen Teil von Schwingrasen abgedeckt. Die noch verbliebene offene Wasserfläche sieht von oben wie eine zweifingrige Hand aus. Wie viele andere Karseen ist auch dieser See dabei zu verlanden.

Wusstest du schon?

Schwingrasen entsteht bei der Verlandung von Gewässern. Dabei bildet sich eine schwimmende Pflanzendecke aus Moosen und anderen Pflanzen auf der Wasseroberfläche.

Herbstlicher Ellbachsee
Herbstlicher Ellbachsee

Nachdem wir die Stimmung des Sees auf uns wirken lassen hatten, ging es auf einem breiten Forstweg um den ganzen See (800 m). Dabei folgst du immer der gelben Raute. Wenn du es eilig hast, kannst du auch einfach, an der Ellbachseehütte vorbei, zurück zur letzten Kreuzung gehen (200 m). Auf einem Forstweg geht es langsam in einem großen Bogen aufwärts.

Wer möchte, kann an der Rosshimmelhütte noch einen Abstecher zum Rosshimmel Wasserfall machen. Eine weitere Alternative ist gleich unten an der Ellbachseehütte den Weg zu nehmen (gelbe Raute), der dich am Rosshimmel Wasserfall vorbeiführt. Für beide Alternativen musst du etwas mehr Gehzeit einrechnen.

Es lohnt sich allerdings nur nach der Schneeschmelze oder nach starken Regenfällen am Rosshimmel Wasserfall vorbeizuschauen. Wenn es trockener ist, suchst du hier nämlich vergeblich nach rauschendem Wasser.

Der Rosshimmel Wasserfall in der Nähe des Ellbachsees
Der Rosshimmel Wasserfall in der Nähe des Ellbachsees

Wenn du den Seehaldeweg überquert hast, wirst du schon langsam die Straßburger Straße hören, die parallel zum Wanderweg verläuft. Schon bald gelangst du wieder auf den Heimatpfad. An der Skihütte Kniebis vorbei, geht es über den alten Weg hinunter ins Dorf. Die alte Passstraße leitet dich wieder zurück zur Straßburger Straße.

Anfahrt und Parken

Wir haben vor dem „Waldschwimmbad Kniebis“ auf dem öffentlichen Parkplatz direkt an der Straßburger Straße geparkt.

Um die Ortschaft Kniebis gibt es viele verschiedene öffentliche Parkplätze (die je nach Wetter auch ziemlich voll sind). Eine weitere Möglichkeit wäre, das Auto am Wanderparkplatz Kohlwald zu parken und die Tour entsprechend anzupassen.

Details zum Ellbachsee

Der Ellbachsee ist ein Karsee im nördlichen Schwarzwald im Landkreis Freudenstadt in Baden-Württemberg. Obwohl er so nahe an der Schwarzwaldhochstraße liegt, wirkt der See im Wald sehr einsam. Hier kann man sich wirklich gut vom Alltagsstress erholen. Der See und seine Umgebung sind als flächenhaftes Naturdenkmal von etwa 7,1 ha ausgewiesen.

Der Ellbachsee ist der Karsee im Nordschwarzwald mit der geringsten Wassertiefe. Mit seinen ein bis zwei Metern Tiefe ist er schon stark verlandet. Um den Ellbachsee hat sich ein kleines Moor gebildet. Dort wohnen viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Deshalb solltest du es vermeiden den Seebereich zu betreten.

Der „Gute Ellbach“ (ja, er heißt wirklich so… :-)) bildet den Ablauf des Ellbachsees. Der Fluss mündet in Baiersbron, Mitteltal in die Murg.

Entstehung des Ellbachsees

Da die Durchschnittstemperatur damals niedriger als heute war, wurden große Bereiche der Höhenlagen im Schwarzwald mit Eis bedeckt. Gegen Ende der Würmeiszeit rutschte der Gletscher, der sich am Hand des Ellbachsees gebildet hatte, langsam die Karwand entlang.

Erde, Steine und Geröll rutschten mit und hobelten langsam eine Mulde in das Gestein. Der Boden, auf dem du im Nord-Schwarzwald unterwegs bist, besteht hauptsächlich aus mittlerem Buntsandstein. Dieser ist relativ weich und erklärt, warum es in diesem Gebiet so viele Karseen gibt.

Das Geröll, das der Gletscher mit sich hatte, blieb als Endmoräne am Ende der Mulde bis heute liegen. So bildete sich ein Staudamm, der Regen- und Schmelzwasser nicht mehr abfließen ließ. So konnte sich das Wasser des Ellbachsees sammeln.

Der Ellbachsee wir in den nächsten Jahrzehnten immer weiter verlanden, wenn der Prozess nicht unterbrochen wird. Schon jetzt hat sich aus abgestorbenen Pflanzenresten eine dicke Torfschicht gebildet, die als Schwingrasen auf dem See schwimmt. Eines Tages wird der Schwingrasengürtel den See komplett einnehmen.

Fauna und Flora am Ellbachsee

Der Bewreich um den See ist ein Vogelschutzgebiet und wurde mit der Zeit auch von vielen seltenen Pflanzenarten besiedelt. Deshalb wurde der gesamte See und auch die Karwand unter Schutz gestellt.

Hier kannst du viele wasserliebende Insekten und andere Tiere finden. Die vom Aussterben bedrohte Speer-Azurjungfer, Kleinlibellenart aus der Familie der Schlanklibellen, ist hier unter anderem beheimatet.

Die vom Aussterben bedrohte Speer-Azurjungfer wohnt am Ellbachsee
Die vom Aussterben bedrohte Speer-Azurjungfer wohnt am Ellbachsee

Auch die Erdkröte vermehrt sich hier langsam wieder. Fische können in dem sauren Wasser nicht überleben. Dafür ist der See wichtig für den Zwergtaucher. Es gibt dort mittlerweile mehr als 20 Paare, die dort regelmäßig brüten.

Die Zwergtaucher vermehren sich langsam am Ellbachsee
Die Zwergtaucher vermehren sich langsam am Ellbachsee

Die Karseen im Schwarzwald

Nach der letzten Eiszeit gab es im Schwarzwald noch mehr als 100 Karseen. Die meisten davon sind heute allerdings „verlandet“ und bilden Moore. Nur wenige können wir heute noch als Seen besuchen. Manche dieser Seen wurden durch künstliche Aufstauungen wieder „hergestellt“.

Wusstest du schon?

Was ist eigentlich Verlandung? Man kann es schon aus dem Namen heraushören. Ein See oder ein anderes Gewässer nimmt immer mehr den Charakter von „Land“ an. Das passiert durch eine natürliche Auffüllung mit organischem Material. So entsteht daraus ein Moor und bei weiterer Entwässerung wird daraus Festland.

Oft findet man im Wald auch Bezeichnungen wie „Blinder See“ oder „Weiher“. An diesen Stellen lag meist vor wenigen Jahrhunderten noch ein richtiger See. Die Bezeichnung „Misse“ findet man häufig im Nordschwarzwald. Es bezeichnet eine sumpfige Stelle oder ein Moor.

Außer dem Ellbachsee gibt es noch 11 weitere Karseen im Schwarzwald, die sich bis heute erhalten haben. Acht davon befinden sich im Nordschwarzwald, drei im Südschwarzwald:

Karseen im Nordschwarzwald

  • Wilder See (Landkreis Freudenstadt)
  • Huzenbacher See (Landkreis Freudenstadt)
  • Buhlbachsee (Landkreis Freudenstadt)
  • Sankenbachsee (Landkreis Freudenstadt)
  • Glaswaldsee (Landkreis Freudenstadt)
  • Mummelsee (Landkreis Ortenaukreis, an der Schwarzwaldhochstraße)
  • Herrenwieser See (Landkreis Rastatt)
  • Schurmsee (Landkreis Rastatt) ca. 4 Kilometer entfernt ist der Blindsee

Karseen im Südschwarzwald

  • Feldsee (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald)
  • Titisee (Breisgau-Hochschwarzwald)
  • Nonnenmattweiher (Landkreis Lörrach)

Fazit

Die Strecke für Langläufer und Rollskifahrer auf dem Kniebis
Die Strecke für Langläufer und Rollskifahrer auf dem Kniebis

Der Ellbachsee ist ein Ruhepol an der Schwarzwaldhochstraße. Natürlich kommt es auf das Wetter an, wie viele Wanderer dort unterwegs sind. Aber auch bei leichtem Regen hat der See einen speziellen Charme.

Wer gerne seltene Tierarten beobachten möchte, ist hier auf jeden Fall richtig. Der Ausblick von der Aussichtsplattform ist ebenfalls einen Abstecher wert.

Du hast Fragen, oder einen Tipp für andere Wanderer? Dann schreibe uns gerne einen Kommentar.

Samuel und Anja: Autoren von Berginstinct

Hi! Wir sind Anja & Samuel, die Outdoor-Fans hinter BERGINSTINCT. Wir lieben Berg- und Hüttentouren, internationale Reisen, sinnvolle Ausrüstung und alles, was mit der Natur zu tun hat. Mehr erfahren…

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